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Freitag, 27. Januar 2012

MdSTUPA Teil II: Quoten

Ein sehr großer Unterschied zwischen Sozialismus und Konservatismus ist der Gleichheitsgrundsatz. Während Konservative davon ausgehen, es gibt eine Gleichheit, jeder hat die gleichen Rechte, jeder ist vor dem Gesetz gleich, "konstruieren" Sozialisten die Gleichheit. Wenn eine Statistik sagt - von mir aus - 30% der Abiturientinnen, aber 70% der Abiturienten schließen erfolgreich ein Studium ab, wollen Sozis dies so lange regulieren, bis die Statistik das Ergebnis 70:70 hat. Außer konservativer Sicht entsteht dadurch Ungleichheit - und auch Ungerechtigkeit -, weil dazu eine bestimmte Gruppe bevor- oder benachteiligt werden muss und somit viel mehr Ungleichheit entsteht. Es gibt viele Arten von Quoten, ich möchte mich nun ausschließlich auf die Frauenquote beziehen, da diese - zumindest in Deutschland - am meisten relevant ist. Die Frauenquote gibt es vor allem in Firmen. Ich persönlich finde dies sehr ungut, weil somit eine Person einer anderen vorgezogen werden kann, nur weil sie eine Frau ist. Als Frau hätte ich sogar ein echtes Problem damit. Ich wäre mir nie sicher, ob ich einen Job bekommen habe, weil ich kompetent bin, oder weil ich eine Frau bin. Während es in der Berufswelt noch relativ leger verläuft, kann man natürlich auch alles übertreiben. Übertreiben tut es  beispielsweise das Studierendenparlament der Universität Trier.
Die quotierte Rednerliste ist zum Beispiel eine lustige Erfindung. Wenn ich mich nicht verzählt habe, so gibt es 5 Frauen im Studierendenparlament. Dagegen haben 20 Männer einen Sitz. Die Idee der quotierten Rednerliste ist es nun, Frauen und Männer abwechselnd sprechen zu lassen. Mit Sinn und Zweck der "strukturellen Ungleichheit der Frau" zu entgegnen. Es gibt tatsächlich eine strukturelle Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Diese entsteht jedoch ausschließlich durch die Frauenquote. Da es viel weniger Frauen im Studierendenparlament gibt und Frauen vielvielvielvielviel seltener das Wort ergreifen, bemerkt man die quotierte Rednerliste eigentlich gar nicht. In der letzten StuPa-Sitzung kam es beispielsweise erst nach mehreren Stunden zur Wortmeldung einer Frau.
Soll im Studierendenparlament eine Diskussion - langsam - beendet werden, so können die Parlamentarier die "Schließung der Rednerliste" beschließen. Diese wird dann gedeckelt, alle Leute, die draufstehen, dürfen noch sprechen, aber es werden keine Wortmeldungen mehr zugelassen. Zumindest nicht von Männern. Denn Frauen können sich jetzt noch "nachquotieren" lassen. Es können sich nach Schließung der Rednerliste, jetzt noch eine Anzahl von Frauen melden, die auch noch etwas sagen möchte. Warum man die Liste dann geschlossen hat, weiß nur Gott.
Auch Gremien werden generell gerne quotiert. Warum sollen in einem Vorstand mehr Männer als Frauen sitzen dürfen? Oder in einem Arbeitskreis. Oder in einem Ausschuss. Naja, vielleicht, weil es einfach mehr interessierte Männer gibt. Oder weil zufälligerweise mehr Männer kompetenter sind als die Frauen. Das klingt nach struktureller Ungleichheit. Es klingt nur danach, denn strukturelle Ungleichheit geschieht dann erst, in dem man auch dies quotiert.
Kleiner Einschnitt: Seit wenigen Monaten hat die SPD eine Migrantenquote für alle Vorstände auf allen Ebenen eingeführt. So müssen 15% der Mitglieder in SPD Führungsgremien Migranten sein. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Quote extrem hirnrissig ist, frage ich mich ernsthaft, wie es durchgesetzt werden soll. Mit Hilfe von Abstammungsurkunden? Die sind glücklicherweise und zurecht ziemlich aus der Mode gekommen.
Zurück. Was macht man aus der ganzen Situation? Ich meine, wenn es ja schon die Möglichkeit gibt, eine offizielle Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau durchzusetzen, so müsste sich doch genau diese auch irgendwie ausnutzen lassen können. Dazu gleich mehr.
Es wurden in der letzten StuPa-Sitzung diverse Ausschüsse besetzt. Der Finanzprüfungsausschuss zum Beispiel oder der Wahlausschuss. Und besetzt wurde auch der Satzungsänderungsausschuss. Lustig ist hier, für eine Satzungsänderung benötigt die Koalition auch Stimmen aus der Opposition. Wert auf die Mitarbeit der Opposition in diesem Ausschuss wird dennoch nicht gelegt. Ich bin dann mal gespannt, wie viele Satzungsänderungen in dieser Legislatur verabschiedet werden. Wir wollten in diesem Ausschuss auch einen Sitz mit dem RCDS besetzen und stellten somit eine Frau auf. Von den anderen Fraktionen wurden eine weitere Frau und sieben Männer aufgestellt. Die Koalition wollte wohl unter sich bleiben und hat somit die Sitzanzahl auf 5 begrenzt. Ich habe im Kopf 1 und 1 zusammengezählt und habe dann - ich kann es immernoch nicht so ganz glauben - den Antrag auf Quotierung des Ausschusses gestellt. Die Koalition war scheinbar begeistert, jedenfalls stimmte sie komplett diesem Antrag zu. Zwei Frauen mussten jetzt in jedem Fall rein, unser Platz war sicher. Mission accomplished. Es war schon eine ziemlich coole Aktion sich als RCDS für Quotierung einzusetzen und dies dann noch so "gemein" auszunutzen - Ok, Eigenlob stinkt.
In Konklusion: Bei "Quotierung extrem im StuPa" wird eine nichtvorhandene strukturelle Ungleichheit durch eine strukturelle Ungleichheit ersetzt. Was das jetzt genau bringen soll, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber was es bringt: Ungleichheit.

Dienstag, 24. Januar 2012

MdSTUPA Teil I: Gendern

Eine offizielle Bezeichnung für ein Mitglied des Studierendenparlamentes gibt es wohl nicht. Zum Glück, sonst könnte jeder, der ein solch unglaublich hochrangiges Mandat hat, damit so toll angeben. Mich inbegriffen. Allein der Gedanke daran, ist mir schon ziemlich peinlich. Wie dem auch sei.
Meine Eindrücke aus der ersten StuPa-Sitzung waren viel zu vielfältig, um sie in einem Blogpost unter zu bekommen. Deshalb möchte ich eine kleine Reihe starten unter dem Titel: "MdSTUPA". Heute: Teil I: Gendern. Den Teil II gibt es dann nächste Woche oder so.
Ich wurde schon vorher von meinen RCDS-Kollegen vor dem Gendern gewarnt - die übertreiben es dort angeblich ein bisschen. Ich wurde gebeten, ich solle bitte keine Diskussion über Gendering anfangen. Gegendert wird angeblich, weil sich die Frau im afrikanischen Harem darüber freuen würde, direkt angesprochen zu werden. Wer sagt, dass ich die Frauen auslasse, wenn ich "liebe Kollegen" oder "liebe Freunde" sage? Naja however. Das schriftliche Gendering mit "Innen" (wie in "GrillmeisterInnen", "SalzstreuerInnen" usw.) ist ja weitläufig bekannt. Ich war bisher nie so sonderlich davon überzeugt, weil ich es für nicht notwendig halte und man es nicht so aussprechen kann, wie man es liest - ich werde später feststellen, man kann es sehr wohl aussprechen. Neuland ist für mich das schriftliche Gendern mit Unterstrich ("Pudelkämmer_innen") oder Stern ("Rostwurstbudeninhaber*innen"). Im Endeffekt gibt es bei diesen zwar keinen Unterschied zu "Innen", aber es soll wohl unheimlich kreativ wirken.
Das verbale Gendern mit "und" mache ich persönlich auch relativ oft - es gehört sich oft einmal so. "Freundinnen und Freunde", "Damen und Herren" sind ja eigentlich ein immerwährender Standard. Aber was macht man mündlich aus dem "Innen"? Ich muss zugeben: Als ich die Version der Präsidentin des Studierendenparlamentes gehört hab, bekam ich einen kleinen innerlichen Lachanfall, weil ich dachte sie hätte sich versprochen. Sie sprach "Stuparier Innen" aus, als wären es zwei Wörter. Wenige Augenblicke danach wurde ich eines besseren belehrt. Es ist scheinbar so Brauch. Arme deutsche Sprache.
Es gibt neben der schönen Form (Parlamentarier_innen = "Parlamentarierinnen und Parlamentarier") noch die Möglichkeit einfach "Großmolkereibetreiber*innen" von links nach rechts durchzulesen - also die weibliche Form als Verallgemeinerung nutzen. Als ich das zum ersten Mal hörte, wollte ich mich ursprünglich beschweren, weil ich mich als Mann benachteiligt fühle. Tue ich auch - zumindest in diesem StuPa.
Die letzte Möglichkeit ist einfach die beiden Begriffe nacheinander zu nennen. Im Prinzip so, wie von einem Querstrich ("/") getrennt.
Wann und wo gendert man eigentlich? Ich persönlich würde sagen gar nicht. Wenn ich eine Mehrzahl anspreche, meine ich immer beide Geschlechter. Wer sich benachteiligt fühlt, hat Pech gehabt. Aber manche Leute wollen eben Gendern, dann sollen sie das auch tun, aber bitte dann, wenn es auch Sinn macht. Berühmt sind ja schon die "Mitgliederinnen und Mitglieder". Ich muss schon zugeben, das Wort "Mitglieder" bietet sich sprachlich sehr schön an zum Gendern. Da es aber natürlich ein Neutrum ist, ist allein jeder Gender-Mainstream-Gedanke daran völlig überflüssig. Auf der Tagesordnung zur konstituierenden StuPa-Sitzung stand unter TOP 6: "Entlastung von Koordinierendem Mitglied und Finanzreferentin". Beim Koordinierten Mitglied muss ich sagen: Respekt. Hier wurde richtig gegendert. Es gibt keine weibliche Form von "Mitglied" (s.o.). Beim Finanzreferent muss ich kritisieren, dass - in der vorliegenden Fassung der Einladung - zwischen der männlichen und weiblichen Form nicht richtig unterschieden werden kann, aber ok. Bei der Entlastung eines Amtsträgers geht es darum zu sagen, ob jemand seine Arbeit - in erster Linie in Bezug auf Buchführung - gut gemacht hat und seinen Posten verlassen und die Verantwortung ablegen darf. Nun ging es hier ganz speziell um die Personen: "Koordinierendes Mitglied" und "Finanzreferentin"[sic!]. Ich hätte hier nicht gegendert, zum einen weil ich - siehe oben - davon sowieso nichts halte, zum anderen, weil es hier noch überflüssiger als sowieso schon. Sowohl das "KoMi" als auch der Finanzreferent waren (bis zu ihrer Entlastung zumindest ihrem Namen und ihrer offensichtlichen Erscheinung nach) nämlich männlich. Da sich - ausgenommen dieser beiden - sowieso niemand angesprochen fühlen soll, weil einfach niemand außer diesen beiden betroffen ist und die beiden männlich sind, warum sollte man dann auf die Belange von Frauen eingehen, die gar nicht betroffen sind, und sie ansprechen?
Auf der einen Seite ist das Gendern ja ganz amüsant. Zumindest wenn jemand mit aller Kraft versucht eine unvorhandene oder kreative weibliche Form zu kreieren. Amüsant sind auch die Zeitpunkte an denen einfach mal prophylaktisch gegendert wird, ohne irgendeinen logischen Hintergrund. Auf der anderen Seite geht es einem - zumindest als Mann, ich bin überzeugt auch als Frau - irgendwann auf den Keks. Wer verbal mit "Occupyer Innen" gendert, oder schriftlich mit "Aktionärsversammlungsleiter*innen", der lässt auch noch die deutsche Sprache ganz schön leiden. Man kann es auch einfach lassen.

Foto: (c) Rainer Sturm/PIXELIO

Mittwoch, 18. Januar 2012

Nur ein Dummkopf spuckt Darwin in die Suppe.

Was ist ein Mythos? Im heutigen Sprachgebrauch hat sich das Wort "Mythos" mehr und mehr den Begriffen der "Legende" oder "Sage" angenähert. Die Myth Busters untersuchen im Discovery Channel moderne "Mythen", z.B. ob man stirbt, wenn man die Haut mit Gold bedeckt (James Bond 007 - Goldfinger; Nein, tut man nicht.). Das ist aber falsch. Ein Mythos ist nichts anderes, als die Erklärung einer Sache, die man sich nicht erklären kann. Ein Mythos aus unseren Breiten ist zum Beispiel, die Erde als Scheibe, die auf Säulen steht. Oder ein Mythos der alten Ägypter ist, dass der Sonnengott auf einem Boot jeden Tag über den Nil fährt (als Erklärung für Tag und Nacht).
Darwins Evolutionstheorie basiert u.a. auf Erbsen.
Eine besondere Mythen-Art sind die Schöpfungsmythen und damit die Frage, wie alles begann. Es gibt unzählige verschiedene Schöpfungsmythen. In Deutschland am bekanntesten ist sicherlich der christliche Schöpfungsmythos. 
Gott erschuf die ganze Welt in 6 Tagen, inklusive Erde, Himmel, Sonne, Pflanzen, Tieren und dem Menschen. Die ersten Menschen sind Adam und Eva. So steht es im ersten Buch Mose - Genesis. Es ist ein sehr zweckmäßiger Mythos, weil er - zumindest zum Zeitpunkt, als er aktuell war, - sehr zweckmäßig ist und kaum Fragen offen lässt. Heute sind wir in einer anderen Zeit. Charles Darwin hat die Evolutionstheorie aufgestellt und damit wissenschaftlich die mangelhafte Schöpfungstheorie/Kreationstheorie verdrängt. Das ist auch in Ordnung. Denn da ein Mythos nichts anderes ist, als eine behelfsmäßige Erklärung für etwas, das man sich sonst nicht erklären kann, kann es natürlich passieren, das er durch einen anderen Mythos oder sogar die richtige Erklärung ersetzt wird. 
Kurzer Einschub: Deswegen sehen doch so viele Menschen - ich übrigens auch - die Wissenschaft eng verbandelt mit der Religion. Man benötigt einfach Mythen, um sich Dinge erklären zu können, die man sich nicht erklären kann. Ab dem Urknall können die Physik und die Biologie die letzten 4,4 Milliarden Jahre auf der Erde ganz gut beschreiben. Aber was war davor? Gott. Was sonst?
Zurück zum Thema: Natürlich ist es auch eine Glaubensfrage. Nun beruht der christliche Glauben vor allem auf der Wiederauferstehung nach dem Tode; vorneweg der Wiederauferstehung Christi. Der Schöpfungsgedanke ist zwar auch sehr eindeutig vorhanden, aber - ich würde behaupten - nicht essenziell. In unserer Gesellschaft ist es für die meisten Christen selbstverständlich der Wissenschaft den Vortritt zu lassen; gerade bei einem Schöpfungsmythos, der auf dem Stand von vor mehreren Tausend Jahren steht. In Bildungsstätten sowieso.
Adam und Eva im Paradies.
In den USA sieht das anders aus. Hier gibt es teilweise einen echten Vorstoß von Kreationisten - Menschen, die die Schöpfungsgeschichte für bare Münze halten oder zumindest als bare Münze verkaufen. Und das nicht auf den Straßen oder an der Haustür. Der Kreationismus ist in manchen Bundesstaaten die unangefochtene Lehrmeinung an amerikanischen Schulen. In Texas zum Beispiel. In Missouri auch. Und in Kalifornien. Und in sechs weiteren Bundesstaaten.
Mist. Auf andere Art und Weise kann man es nicht ausdrücken. Auch die Schöpfungstheorie kann man in der Schule einmal ansprechen. Aber in R.E. - Religious Education -, nicht in Science - Naturwissenschaft. Was hier geschieht, ist nicht nur das Unterrichten einer schwachen Theorie. Es ist vor allem ein Schritt zurück ins (europäische) Mittelalter. Ein Rückschritt in eine Zeit, wo noch der aller unwesentlichste Teil der Religion der aktuellen Wissenschaft vorangestellt wurde. Es muss endlich Schluss sein mit den Kreuzzügen gegen die Wissenschaft.

Bilder:
(c)Rossmann/PIXELIO
(c)Schütz/PIXELIO

Dienstag, 10. Januar 2012

Der Wert von Online-Umfragen.

Das Fach Statistik, das Bestandteil vieler Studiengänge ist, ist nicht nur da um Studenten zu quälen. Es ist ein richtiges Fach, in dem man - an verschiedenen Universitäten - auch Abschlüsse ablegen kann. An der LMU München zum Beispiel, aber auch hier an meiner Universität (Trier) in Verbindung mit Volkswirtschaftslehre. Dasselbe gilt für Empirie/Sozialforschung. Einen Abschluss in Sozialforschung kann man an einigen deutschen Universitäten zum Beispiel in Verbindung mit Soziologie bekommen. 
Das Einsatzfeld derjenigen, die Absolventen dieser Studiengänge sind, ist recht groß. Neben einer akademischen Karriere, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit bei Umfrageinstituten zu arbeiten. Infratest dimap oder Forsa zum Beispiel.
Während unter Physikern wohl die Theoretische Physik oder unter Ingenieuren die Raumfahrt die Königsdisziplin ist, ist es unter Sozialforschern und Statistikern wohl die repräsentative Umfrage. Was bedeutet es, das eine Umfrage repräsentativ ist?
"Als Repräsentativität versteht man in der Empirie die Eigenschaft von Erhebungen, dass diese Aussagen über eine Grundgesamtheit zulassen.[...]" (Wikipedia 2011)
Noch simpler: Nur, wenn eine Umfrage repräsentativ ist, sagt sie etwas aus. Natürlich gilt auch der Umkehrschluss: Ist eine Umfrage nicht repräsentativ, sagt sie nichts aus. Doch wie wird eine Umfrage eigentlich repräsentativ? Man entschuldige mir die Nutzung von Wikipedia, doch ich bin der Meinung, es ist dort verständlicher erklärt, als in einem Empirie-Lehrbuch.

"[...]Ein wichtiges Kennzeichen von repräsentativen Umfragen ist die Auswahl einer repräsentativen Untermenge (Stichprobe) der zu untersuchenden Bevölkerungsgruppe (der sog. Grundgesamtheit). Diese Untermenge sollte eine gleiche Verteilung der befragten "Repräsentanten" aufweisen (z.B. Befragung verschiedener Altersklassen dieser Bevölkerungsgruppe und gleiche Verteilung der Geschlechter ...). Damit erspart man sich die Befragung aller Personen dieser Bevölkerungsgruppe. Die Größe der Untermenge korreliert mit der Genauigkeit des Ergebnisses. Je größer die Untermenge ist, desto geringer ist die zu erwartende Abweichung zur Realität. Dieser Zusammenhang ist allerdings nur dann gegeben, wenn die der Umfrage zugrundeliegende Stichprobe eine Repräsentativität überhaupt zulässt.[...]" (Wikipedia 2011)
 Kurz und gut würde ich einmal behaupten: Eine repräsentative Umfrage lebt nicht unbedingt von extrem vielen Befragungen, sie lebt vor allem von Fragen nach: Alter, Geschlecht, Berufsgruppe usw. Denn nur wenn man letztere Fragen stellt, kann man diese in ein Verhältnis setzen. In das Verhältnis, in dem sie auch in der Grundgesamtheit stehen. Und dann sagt auch die Anzahl der Befragten eher wenig aus (das "Gesetz der großen Zahlen" gilt natürlich!). Bei der Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahlen wären?"), werden gerade einmal 1000-2500 Menschen befragt. Dennoch sind diese Umfragen - im Vergleich zum Wahlergebnis - doch recht treffend.
Doch was schon lange für die Marktforschung und jede andere "Otto-Normal"-Umfrage gilt, gilt offensichtlich nicht  für einige Medien.
Online-Umfragen aller Art gibt es schon seit Ewigkeiten. Und auch die verschiedenen Nachrichtenplattformen erfreuen sich dieser immer mehr. Spiegel Online erreicht dabei Teilnahmequoten von mehreren 10.000. In meiner Heimat bezieht sich die Saarbrücker Zeitung ständig auf die "SZ-Online-Umfrage von gestern", die Teilnehmerzahl ist hier nicht so genauso groß, aber das Ergebnis genauso unrepräsentativ. Und da sind Punkte wie Fälschungssicherheit oder Leute, die mehrfach abstimmen, eher unerheblich; zumindest verglichen mit allen anderen Grundregeln der Sozialforschung, die verletzt werden. Man hat keine Informationen, über die Personen, die abstimmen. Somit fehlen Informationen über Kohorten bzw. Personengruppen, die zwingend notwendig sind um eine Umfrage repräsentativ zu erheben. Ohne Informationen zur Personengruppe, kann man keinen Schluss auf die Bevölkerung ziehen. Es fehlen die Fragen nach Alter, Geschlecht Berufsgruppe usw.
In der Regel weiß man nur eine Sache ganz genau: Die Teilnehmer der Umfrage benutzen zurzeit der Teilnahme die Webseite, die diese Umfrage ausrichtet. Und da die meisten Medien irgendeine politische Ausrichtung haben, ist es dann übrigens kaum verwunderlich, dass Online-Umfragen, von Webseiten, die irgendwie eingestellt sind, oft genau diese eigene Einstellung als so genannte "Meinung der Bevölkerung" zum Ergebnis haben. Repräsentativer wird es dadurch nicht.
Man könnte behaupten: "Ja, aber wir wollen ja nur mit einfachsten Mitteln, einmal wissen, was in der Bevölkerung los ist, wie die Bevölkerung denkt."
Liebe Nachrichtenportale, Zeitungen und Fernsehsender, Ihr könnt gerne eine solche Online-Umfrage starten, aber das Ergebnis sagt wirklich nichts, aber auch nicht das Geringste, über die Meinungen und Gedanken der Deutschen aus.

Freitag, 6. Januar 2012

Das Richtige.

Da fährt man einmal nach Trier und schon geht im Saarland die Welt unter. Ok, ganz so schlimm ist es nicht, eigentlich ist es gar nicht schlimm. Eigentlich hatte ich sogar darauf gewartet. 

Seit Monaten versuchte die FDP, beziehungsweise diverse ihrer verbliebenen Mitglieder, die Landesregierung zu drangsalieren und die Koalition anzutasten. Dazu kommt das Zerwürfnis innerhalb der FDP. Ob gegenseitige Strafanzeigen wegen veruntreuten Stiftungsgeldern, Unzufriedenheit mit der Arbeit der Führungsriege oder anderen Punkten. Damit zusammen hängen die verschiedenen Affären und unnachvollziehbaren Aktionen von Herrn Hinschberger und manchen seiner Kollegen. Heute hat die saarländische Ministerpräsidentin und CDU-Landesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer die Jamaika-Koalition aufgelöst.

Ein wenig Mut gehörte ganz sicher dazu, sich endlich von der FDP zu trennen, weil damit natürlich auch Landesregierungszeit der CDU in Gefahr ist. Aber es war ein guter Schritt, ein wichtiger Schritt. Mit solchen Chaoten - mit solche einem Klotz am Bein - kann man kein Land führen. Ganz persönlich: "Annegret, das war mal 'ne geile Aktion!"

Jetzt, wo das FDP-Chaos beendet ist, schauen wir optimistisch in die Zukunft. Heiko Maas und die SPD haben Interesse an Koalitionsverhandlungen gezeigt. Eine Große Koalition ist zwar - in der Regel - nicht der beste Weg, aber hier und jetzt in jedem Fall der Richtige.